„Soziale Arbeit führt in die Armut“ Podiumsdiskussion zum Thema „Starke Frauen in der Sozialen Arbeit“

von Prof. Dr. Juliane Sagebiel

Anlässlich des hundertsten Geburtstages der sozialen Frauenschule, dem Vorgänger der Fakultät für Sozialwissenschaften, trafen sich Ende November drei starke Frauen aus der Sozialen Arbeit und der Politik zur Podiumsdiskussion in der „Kapelle“ am HM-Standort Pasing. Barbara Stamm, ehemalige Präsidentin des Bayerischen Landtags, Eva Grundner, Vorständin der Diakonie Hasenbergl und Hannelore Güntner, Gründerin der IMMA e.V. und Gendertrainerin, erzählten unter anderem von ihren beruflichen Erfolgen sprachen über die Frauenquote in Unternehmen und die Probleme, die Frauen heute immer noch haben bei der Vereinbarung von Job und Familie.

Podiumsdiskussion_3_Anika_Wiesenbauer

HM-Frauenbeauftragte Prof. Dr. Elke Wolf von der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen, begrüßte rund 70 Gäste. Sie stellte die Rednerinnen vor, die sich alle in ihren Berufen besonders stark engagiert hatten. Wolf unterstrich dies mit den Worten, dass sich „Erfolge der Karrieren (…) nicht nur an den Löhnen“ zeigten. Dass diese aber dennoch zum Leben reichen müssten und wie schwierig das in sozialen Berufen zu erreichen sei, die leider immer noch größtenteils von Frauen ausgeübt werden, bemängelte Güntner. Ihre Rente reiche kaum zum Leben in München aus. „Soziale Arbeit führt in die Armut“ – und das dürfe nicht sein.

Was darf der Mensch kosten?

Stamm stellte unter anderem die ständige Bezugnahme auf Zahlen in Deutschland in Frage, denn „alles, was ich in Zahlen nicht ausdrücken kann, ist in der Gesellschaft nichts wert.“ Damit spielte sie auf ein altes Problem der Sozialen Arbeit an, dass sich positive Effekte nicht immer messen ließen. Außerdem gab sie zu bedenken, dass es in der Pflege nur noch darum ginge, was jemand koste: „Ich höre zunehmend ‚Was darf der Mensch kosten?‘ Die Frage müsste aber sein: ‚Was braucht der Mensch, damit Würde und Teilhabe gesichert sind?‘“

Grundner, die mitverantwortlich ist, dass die Diakonie Hasenbergl als bester Arbeitsgeber ausgezeichnet wurde – bundesweit im Gesundheits- und Sozialwesen, bayernweit über alle Branchen hinweg – sprach sich für die Elternteilzeit aus. Männer, die in der Diakonie arbeiten, gingen bereits häufig in Elternteilzeit. Diese

müsse jedoch echte finanzielle Vorteile für beide bringen, wenn auch Männer sie wahrnähmen, so Grundner. Auch Stamm findet, dass Frauen mehr Möglichkeiten haben sollen, als Mütter zu arbeiten. Nachdem sie im Jahr 1990 den Satz von einem Kollegen ihrer Partei vernahm „Ich bin dagegen, dass Frauen im gebährfähigen Alter in die Politik gehen“, ist sie sicher: „Es soll selbstverständlich werden, dass Frauen und Männer gemeinsam die Zukunft gestalten!“

Im Anschluss an die knapp zweistündige Diskussion, die von Frau Prof. Dr. Juliane Sagebiel von der FK 11 moderiert wurde, war Raum für Kommentare aus dem Publikum, auf die die Rednerinnen auch eingingen. Als es um die Quote für Frauen ging entbrannte eine lebehafte Diskussion. Unter anderem meldete sich Hanna Wolf zu Wort, die zwölf Jahre lang im Bundestag saß und sich als „Quotenfrau“ outete. Sie sei sicherlich „nicht blöd gewesen“, aber den Job habe sie über die Quote bekommen. Den interessanten Abend beendete Teresa Hüttner, die vier Lieder sang und sich dabei am Flügel selbst begleitete.

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